← Zurück zum Blog

Gletscherskifahren: Ganzjähriger Schnee und die großen Gletschergebiete

Ein Gletscher ist ein lebendiger Körper aus komprimiertem Eis, der sich unter seinem eigenen Gewicht langsam bewegt. Auf einem Gletscher zu fahren bedeutet, auf einer der ältesten Schneeansammlungen der Welt zu gleiten — Eis, das sich über Jahrhunderte zu einem kompakten Volumen zusammengedrückt hat. Es ist ein anderes Erlebnis als Pistenfahren auf gewöhnlichem Berghang, und es bringt spezifische Anforderungen und Risiken mit sich.

Warum Gletscher für Skifahrer attraktiv sind

Der entscheidende Vorteil eines Gletschers ist die Schneesicherheit über die reguläre Wintersaison hinaus. In den Alpen sind präparierte Gletscherskipisten von Oktober bis Mai, manchmal bis in den Juli oder August, geöffnet. Im Sommer sind Gletscher die einzige Möglichkeit, in Europa auf normalen Pisten zu fahren.

Das Kitzsteinhorn bei Zell am See in Österreich öffnet seine Gletscherpisten typischerweise Ende Oktober und hält die Anlage bis in den Frühsommer. Auf dem Hintertuxer Gletscher im Zillertal — dem einzigen ganzjährig geöffneten Skigebiet Österreichs — kann man an 365 Tagen im Jahr Ski fahren. Die Pisten liegen zwischen 2.660 und 3.250 Metern, die Schneequalität im Sommer ist erwartungsgemäß eher hart und vernarbt, aber für Training und Grundlagenarbeit ausreichend. Nationale Rennteams aus ganz Europa nutzen den Hintertux im Sommer für Intensiveinheiten auf Riesenslalom- und Slalompisten.

Sölden im Ötztal hat zwei Gletscher: den Rettenbachgletscher und den Tiefenbachgletscher, zusammen die Basis für den berühmten Weltcup-Auftakt im Oktober. Die Steilheit der Rettenbach-Piste — sie dient als FIS-Weltcup-Riesenslalompiste — ist nur auf einem Gletscher in dieser Form möglich, da der Schnee im Oktober auf normalen Hängen nicht vorhanden wäre. Der Tiefenbach liegt auf 3.250 Metern und ist einer der windgeschütztesten Gletscher Tirols, was ihn bei wechselhaftem Herbstwetter besonders zuverlässig macht.

Großgletscher: Theodulgletscher und Fee-Gletscher

Zermatt in der Schweiz hat mit dem Klein Matterhorn den höchsten Zugangspunkt im Alpenraum für Pistenfahrer: 3.883 Meter. Das Skigebiet nutzt den Theodulgletscher, der sich auf der Südseite des Matterhorns erstreckt und mit Cervinia auf der italienischen Seite verbunden ist. Zusammen ergeben beide Seiten über 360 Pistenkilometer. Der Gletscher ist ganzjährig für Skifahrer zugänglich; im Sommer ist das Angebot auf die Gletscherzone beschränkt, aber die Beschaffenheit des Schnees — kalt, kompakt und gut präpariert — macht ihn zu einem der besten Sommerskigebiete Europas. Die legendäre Weisse Perle, eine der längsten Talabfahrten der Alpen von Klein Matterhorn bis ins Zentrum von Zermatt, überwindet rund 2.200 Höhenmeter und ist im Winter bei guten Bedingungen in Gänze befahrbar.

Saas-Fee im Schweizer Wallis, auf 1.800 Metern gelegen, hat direkten Anschluss an den Fee-Gletscher mit Pisten bis 3.600 Metern. Das autofreie Dorf schafft eine besondere Atmosphäre, und das geschlossene Gletscherbecken oberhalb von Saas-Fee ist bemerkenswert windgeschützt. Saas-Fee war über Jahrzehnte ein bevorzugtes Sommerlager für alpine Nationalteams weltweit — Norwegen, Österreich, die Schweiz und Japan trainierten hier regelmäßig. Die Abfahrt vom Allalin (3.559 m) bietet eines der besten Sichtfelder auf die umliegenden Viertausender der Walliser Alpen, darunter Dom, Lenzspitze und Nadelhorn.

Das Stubai-Gletscher und der Passo Stelvio

Das Stubaier Gletscher-Skigebiet, rund 40 Kilometer südlich von Innsbruck im Stubaital gelegen, ist Österreichs größtes Gletscherskigebiet und eines der meistbesuchten in ganz Europa. Es erstreckt sich von 1.750 bis 3.210 Meter (Schaufeljoch) und umfasst rund 35 Kilometer präparierte Pisten. Die Anreise aus Innsbruck dauert etwa 45 Minuten. Das Gebiet öffnet typischerweise Ende September oder Anfang Oktober und schließt Ende Mai — eine der längsten Saisons in den Alpen. Im Sommer betreibt das Stubai einen reduzierten Betrieb für Gruppen und Rennläufer. Der Schaufeljochgletscher ist namentlich derjenige Bereich, der am zuverlässigsten frühen Saisonschnee liefert.

Der Passo Stelvio in der Lombardei, an der Grenze zwischen Südtirol und der Schweiz, liegt auf 2.758 Metern (Passhöhe) und war lange das südlichste reguläre Sommerskigebiet der Alpen. Der Gletscher am Stelvio-Pass ermöglichte Sommer-Rentraining und war bekannt für seine stellen, etwas ruppigeren Pisten. In den letzten Jahren hat der Gletscherrückgang den Sommer-Skibetrieb eingeschränkt; der Betrieb ist heute wetterabhängiger als früher. Dennoch ist der Stelvio für Sommerskifahren in manchen Jahren noch aktiv, typischerweise von Juni bis September.

Les Deux Alpes und Tignes/Grande Motte

In Frankreich bieten zwei Stationen besonders zuverlässigen Gletscherskibetrieb. Les Deux Alpes in der Isère verfügt über den Glacier du Mont de Lans, der bis auf 3.600 Meter reicht. Im Sommer ist das Gebiet über einen der längsten Gletscherfuniculaire Europas erreichbar und wird von Freeski- und Snowboardteams intensiv für Techniktraining genutzt. Die Pisten auf dem Gletscher sind im Juli und August täglich von ca. 7:30 bis 12:30 Uhr geöffnet — die engen Öffnungszeiten spiegeln die Qualitätsfenster des Gletscherschnees wider.

Tignes im Tarentaise-Tal, Teil des Espace Killy gemeinsam mit Val d'Isère, hat seinen Gletscher an der Grande Motte auf 3.456 Metern. Der Gletscher ist über eine eindrucksvolle Gletschergondel erschlossen. Im Herbst öffnet Tignes Teile seines Gletscherangebotes schon Ende Oktober, Wochen vor dem offiziellen Saisonstart der meisten Skigebiete. Das macht Tignes zum wichtigsten Frühsaisonsstandort Frankreichs für alpine Rennläufer.

Gletscher außerhalb der Alpen: Whistler Blackcomb und Galdhøpiggen

Außerhalb Europas ist das Skigebiet Whistler Blackcomb in British Columbia, Kanada, das bekannteste Resort mit einem erschlossenen Sommer-Gletscher. Der Horstman Glacier auf Blackcomb, rund 2.160 Meter hoch, war über viele Jahre ein zentraler Standort für internationale Halfpipe- und Freestyle-Training im Sommer. Der Gletscher ist deutlich kleiner als die großen Alpengletschern und sein Betrieb ist in den letzten Jahren wetterabhängiger geworden. In Jahren mit gutem Schneeaufbau ist er für Freeski-Camps im Juni und Juli zugänglich.

In Norwegen bietet der Galdhøpiggen-Sommerskisenter auf rund 1.850 bis 2.100 Metern in Jotunheimen eine der wenigen regulären Sommersaisons auf einem skandinavischen Gletscher. Der Gletscher liegt nahe dem gleichnamigen Gipfel (2.469 m), dem höchsten Punkt Skandinaviens. Die Piste ist bescheiden — etwa 3 Kilometer — aber das Erlebnis von Sommerskifahren unter dem Mitternachtssonnenlicht Nordnorwegens ist einzigartig.

Die Spaltengefahr: Was Skifahrer wissen müssen

Der wesentliche Unterschied zwischen Gletscherfahren auf präparierten Pisten und dem Gletscherbefahren im freien Gelände ist die Spaltengefahr. Spalten sind Risse im Eis, die durch die Bewegung des Gletschers entstehen. Sie können Tiefen von 20 bis 50 Metern erreichen und sind im Winter oft von einer dünnen Schneebrücke verdeckt, die das Eigengewicht eines Menschen nicht trägt. Wer in eine verdeckte Spalte einbricht, sitzt innerhalb von Sekunden in einem engen Eistunnel — Selbstrettung ist ohne Ausrüstung nahezu unmöglich.

Auf gesicherten Gletscherpisten hat der Pistenservice Spalten markiert oder überbrückt. Das Verlassen der gesicherten Piste auf einem Gletscher ist erheblich gefährlicher als auf normalem Berggelände und erfordert alpine Grundkenntnisse, Seil und Gurt sowie in der Regel die Begleitung eines zertifizierten Bergführers. Gletschertouren abseits der Piste verlangen spezifische Ausrüstung: Steigeisen, Pickel, Seil und Harness, Kenntnisse der Spaltensicherung und Kameradenrettung. Das ist keine Übervorsicht, sondern Standard in der Alpinistik.

Sommer-Gletscherfahren hat ein zusätzliches Risiko: Durch die Tageserwärmung werden Schneebrücken über Spalten weicher und weniger tragfähig. Erfahrene Gletscherläufer starten deshalb früh — die besten Bedingungen sind zwischen 7:00 und 10:00 Uhr morgens, wenn die Oberfläche noch gefroren ist.

Der Gletscherrückzug und die Zukunft

Alpengletscher verlieren messbare Masse. Der Pasterzegletscher, größter Gletscher Österreichs nahe Heiligenblut am Großglockner, hat in den letzten 150 Jahren mehr als die Hälfte seines Volumens verloren. Das Stubaier Gletscher-Skigebiet investiert jährlich erhebliche Beträge in Beschneiungsinfrastruktur und experimentiert mit weißen Geotextilabdeckungen, die im Sommer über kritische Bereiche des Gletschers gespannt werden, um Schmelze zu reduzieren. Ähnliche Abdeckungen werden am Presena-Gletscher in der Val di Sole (Trentino) eingesetzt — einem der wenigen verbliebenen Sommerskigebiete Italiens.

Der Theodulgletscher unter dem Klein Matterhorn ist in den letzten Jahrzehnten merklich dünner geworden; Messungen zeigen einen Massenverlust, der sich seit den 1980er Jahren beschleunigt hat. Für Skifahrer hat dies eine praktische Konsequenz: Gebiete, die heute ganzjährige Pisten bieten, könnten in zwei bis drei Jahrzehnten nur noch Saisonbetrieb von November bis April ermöglichen. Sommergletscher in mittleren Höhenlagen — unter 2.800 Metern — sind am stärksten gefährdet.

Was ein Gletscherbesuch einzigartig macht

Abseits der sportlichen Nutzung haben Gletscher eine eigene, schwer beschreibbare Qualität. Die Stille auf einem Hochgletscher an einem klaren Morgen, bevor die Gondeln anlaufen, das Blau des Eises in tiefen Rissen, die Sicht auf Gipfel, die man von Tallagen nie so sieht — das sind Erfahrungen, die über das Skifahren hinausgehen. Das UV-Licht auf 3.000 Metern ist intensiver als im Tal; Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50+ und eine Gletscherbrille mit seitlichem Blendschutz sind Pflicht, keine Option.

Auf Karte öffnen kannst du die großen Gletschergebiete weltweit erkunden und sehen, welche Resorts mit Gletscherzugang ganzjährig oder besonders früh in der Saison öffnen.