← Zurück zum Blog

Splitboarding erklärt

Jahrelang war das Backcountry das Revier der Skitourer. Wer abseits der Pisten in unberührten Pulverschnee wollte, zog sich Tourenskier an und stieg auf. Snowboarder hatten theoretisch dieselbe Sehnsucht, aber keine praktische Lösung – bis das Splitboard diese Lücke schloss. Ein Splitboard ist ein normales Snowboard, das in der Mitte der Länge nach getrennt werden kann, sodass beide Hälften als schmale, aufsteigbare Ski fungieren. Unten an der Bergstation wieder zusammengesteckt, verhält es sich wie ein normales Snowboard. Diese schlichte Idee hat den Backcountry-Wintersport für Boarder geöffnet.

Wie ein Splitboard funktioniert

Die Grundkonstruktion ist einfacher als sie klingt. Das Board hat an der Unterseite eine Führungsnut, die das präzise Trennen und Wiederzusammenfügen ermöglicht. An den Rändern sind spezielle Clip-Mechanismen angebracht, die die beiden Hälften beim Fahren sicher verriegeln und beim Aufstieg schnell lösen lassen. Der Übergang vom "Tour-Modus" in den "Ride-Modus" dauert bei Geübten unter zwei Minuten.

Die Bindungen sind Splitboard-spezifisch und funktionieren in beiden Konfigurationen. Im Aufstiegsmodus sitzen sie als Tourenbindungen auf den einzelnen Piste-Hälften, mit einem Fersen-Freigabe-Mechanismus, der wie bei Tourenskibindungen die Ferse beim Gehen anhebt. Im Ride-Modus werden dieselben Bindungen auf dem zusammengesteckten Board befestigt und funktionieren wie normale Snowboard-Bindungen.

Für den Aufstieg werden unter die Board-Hälften Felle angebracht – dieselbe Art von Kletterfellstreifen, die Skitourengeher nutzen. Die Mohair- oder Synthetikfasern greifen beim Aufstieg im Schnee und gleiten beim Abschreiten des Vorwärtsschritts. Das Prinzip ist identisch mit dem Skitourengeher.

Aufstiegstechnik auf dem Splitboard

Die Aufstiegstechnik auf einem Splitboard ähnelt dem Skitouren, hat aber einige Eigenheiten. Die Board-Hälften sind deutlich breiter als Tourenskier und damit etwas unhandlicher in steilem, engem Gelände. Dafür ist die breitere Aufstandsfläche auf weichem Schnee stabiler und sinkt weniger ein als schmale Skier.

Die Schrittlänge und der Rhythmus sind dasselbe wie beim Skitouren: gleichmäßige, energiesparende Schritte, das Körpergewicht zentriert, die Felle komplett auf dem Schnee. Steile Passagen erfordern Spitzkehren – Umkehrpunkte, an denen man die Richtung wechselt. Auf Skiern lassen sich diese kompakt ausführen; auf Splitboard-Hälften ist die Bewegung etwas schwerfälliger und braucht etwas mehr Platz.

Ein wichtiger Unterschied zum Skitourengeher: Das Splitboard hat keine Steigeisen-Kompatibilität im Sinne echter Grampons. In hartem, vereisendem Gelände – Firn am frühen Morgen, steile Couloirs – kommen Tourenskier dem Splitboard in der Aufstiegseffizienz überlegen. Für die meisten Backcountry-Touren in normalem Berggelände ist das kein limitierender Faktor.

Die Abfahrt: Wo das Splitboard gewinnt

Der entscheidende Vorteil des Splitboards kommt bei der Abfahrt. Wer als Snowboarder auf Tourenskiern unterwegs ist, muss für die Abfahrt auf ein anderes Sportgerät umsteigen oder auf die Qualität des Snowboard-Fahrens verzichten. Mit dem Splitboard steht man nach dem Zusammenstecken des Boards auf dem gewohnten Gerät und fährt mit derselben Technik, dem Gefühl und der Körperhaltung, die man vom Pistenfahren kennt.

Das ist besonders relevant in tiefem Pulverschnee, der nach einem mehrtägigen Sturm auf einem nordexponierten Hochhang wartet. Auf einem Splitboard fährt man diesen Schnee exakt so, wie man ihn vom Pistenfahren kennt – breiter Schnitt, Gewicht auf beide Kanten verteilt, die Schaufel des Boards über dem Schnee. Auf Tourenskiern, besonders auf schmalem Material, ist das Tiefschneefahren für Nicht-Skifahrer eine deutlich größere Herausforderung.

Sicherheitsausrüstung im Backcountry

Splitboarding findet im Backcountry statt, und das bedeutet: Lawinengefahr ist real. Wer abseits der gesicherten Pisten unterwegs ist – ob Splitboarder, Skitourengeher oder Schneeschuhwanderer – muss die Lawinensicherheitsausrüstung tragen und bedienen können.

Das Minimum ist das LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät, auch Transceiver genannt), Lawinensonde und Lawinenschaufel. Das LVS wird immer am Körper getragen, nicht im Rucksack. Die Sonde – ein zusammenfaltbarer Stab von typischerweise 240 bis 320 Zentimetern Länge – und die Schaufel kommen in den Rucksack. Ein Lawinenairbag-Rucksack bietet zusätzlichen Schutz, ist aber kein Ersatz für das LVS-System.

Mindestens genauso wichtig wie die Ausrüstung ist das Wissen, sie zu benutzen. Wer zum ersten Mal ins Backcountry geht, sollte vorher an einer LVS-Übung teilnehmen. Viele Resorts – Chamonix, Andermatt, Engelberg – bieten solche Kurse an. Das Lawinenbulletin muss täglich gelesen und verstanden werden. Eine Lawinengefahr von drei auf der fünfstufigen Skala ist nicht "mäßig gefährlich" im Sinne von "akzeptabel für Alle" – sie erfordert sorgfältige Routenwahl und Erfahrung.

Gear: Board-Auswahl und Bindungskompatibilität

Nicht jedes Snowboard lässt sich zum Splitboard umbauen. Die meisten Splitboards werden als fertige Split-Versionen verkauft. Hersteller wie Jones Snowboards, Lib Tech, Burton und Voilé haben sich auf Splitboards spezialisiert und bieten ein breites Spektrum von Anfänger-freundlichen All-Mountain-Shapes bis zu aggressiven Powder-orientierten Profilen.

Die Board-Wahl für das Backcountry unterscheidet sich von der Pisten-Wahl. Breitere Boards – 260 bis 280 Millimeter Breite – schwimmen besser in tiefem Schnee. Directional Shapes, bei denen der Nose länger als der Tail ist, funktionieren im Tiefschnee ausgezeichnet. Wer auf der Piste ein Twin-Tip-Board fährt, kann dieses in den meisten Splitboard-Designs replizieren, aber ein dediziertes Powder-orientiertes Splitboard macht die Abfahrten erheblich schöner.

Bindungen: Splitboard-Bindungen haben eigene Schnittstellen. Die am weitesten verbreiteten Systeme sind das Karakoram-System und das Spark R&D-System, beide mit eigenen Vor- und Nachteilen bezüglich Steifigkeit, Gewicht und Übergangsgeschwindigkeit.

Touren-Planung: Route, Timing und Lawinen

Eine Splitboard-Tour beginnt nicht am Bergfuß, sondern am Abend davor. Das Lawinenbulletin wird gelesen – für die Alpen bei avalanche.report oder den nationalen Lawinenwarnzentren –, die Route in einem Kartenservice wie Swisstopo oder CalTopo geplant, und die Exposition, Steilheit und Höhenlagen der geplanten Tour mit dem Bulletin abgeglichen.

Das Timing auf der Tour ist entscheidend. Frühmorgens, wenn der Schnee noch gefroren ist, sind steile Nordhänge sicherer als am Nachmittag, wenn die Sonneneinstrahlung die Schneedecke destabilisiert. Südhänge im Frühjahr sind besonders am Nachmittag heikel. Das klassische alpine Prinzip – früh starten, Gipfel vor Mittag erreichen, Abfahrt in der Vormittagssonne – gilt auch für Splitboarder.

Die Karte hilft beim Überblick über Skigebiete und Regionen, die sich für Splitboard-Touren eignen, und zeigt, wo Hütten, Ausgangspunkte und Skigebiete liegen, von denen aus Touren starten.

Splitboarden lernen: Erste Schritte

Der beste Einstieg in das Splitboarden ist ein geführter Kurs mit einem zertifizierten Berg- oder Skiführer. IFMGA-zertifizierte Bergführer (International Federation of Mountain Guides Associations) kennen das Gelände, lesen Lawinenbulletins professionell und können das Aufstiegstechnik-Training strukturieren. Gebiete wie das Montafon in Vorarlberg, das Berner Oberland oder die Lyngen Alps in Nordnorwegen bieten hervorragende Guide-Dienste speziell für Splitboard-Einsteiger.

Wer schon auf der Piste gut Snowboard fährt und grundlegende Tourenerfahrung hat – auch als Wanderer oder Schneeschuhgeher –, bringt die richtigen Grundlagen mit. Das Splitboard ist das Werkzeug; die alpine Kompetenz kommt von anderswo.